Albanische Kulturwoche   Düsseldorf 9.-13.03.2004


 
 
 
 
 
 
 
 
 
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REPORTAGE

Mittwoch, 10. März, 19:00 Uhr

Künstlerverein Malkasten
Jacobihaus - Jacobistr. 6 a
Eintritt: frei
Telefon: 0211 - 35 64 71

 

„Adler fliegen allein. Einmal Tirana und zurück...“

Eine Woche lang hat sich der Künstler und Kunsthistoriker
Dr. Johannes auf der Lake in Albanien aufgehalten.

In der Veranstaltung berichtet er über seine – subjektiven – Eindrücke.
Inspiriert wurde diese Fahrt u.a. durch den unkonventionellen Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum, wie ihn EDI RAMA, der bildende Künstler und Bürgermeister der albanischen Hauptstadt Tirana,
betreibt.

Zu dieser Reportage wird der Bürgermeister Edi Rama persönlich erwartet.

Edi Rama - Bürgermeister der albanischen Hauptstadt Tirana Bunte Häuserfront in Tirana
Ministerium in Tirana Bunkerreste


Edi Rama: Stadtchef im Farbenrausch

Schluss mit dem postkommunistischen Einheitsgrau hat sich der Bürgermeister von Tirana gesagt und brachte Farbe auf die Häuser seiner Stadt. Das steinerne Bunt wirkt tatsächlich Wunder.

Edi Rama, Bürgermeister von Tirana:
"Nach einer langen, dunklen grauen Zeit haben die Farben die Menschen aufgeweckt, sie waren sehr starkes Zeichen der Wiedergeburt, der Lust zum Leben und des Erwachens."

Edi  RamaSie küssen ihn und danken ihm, wo er geht und steht. Edi Rama, Bürgermeister von Tirana, muss Autogramme geben wie ein Popstar. In drei Jahren Amtszeit hat er eine nicht für möglich gehaltene Friedensstimmung in die albanische Hauptstadt gezaubert. Mit knallbunten Häuserfronten und Bäumen. Das wirkte Wunder: Mehr Gemeinschaftssinn, weniger Kriminalität, ein neues Lebensgefühl im postkommunistischen Tirana – mit der Politik eines Künstlers.
Der Bürgermeister selbst wählt die Farben aus. Edi Rama, Ex-Basketballer und politischer Dissident, hat nach einem Attentat als Künstler in Paris gelebt. Jetzt ist Tirana meine Leinwand, sagt er.

Er holte sich ein ganz junges Team, warf 500 korrupte Beamte hinaus. Im Rathaus von Tirana arbeiten mehr Frauen als Männer – weil sie Fremdsprachen können, gut ausgebildet sind, ungewöhnlich im patriarchialischen Balkan.

Und Edi ist wirklich ein Popstar – im Lied einer Hiphop-Band rappt er über die Widersprüche von Tirana: Kampf und Frieden, Betrug und Wahrheit, Lust und Stress. Auch diese Liebeserklärung an seine Stadt hat ihm Sympathien gebracht, der Song ist zum Lokalhit der Jugend von Tirana geworden.

Edi Rama:
"Es gab nicht einen Quadratmeter Grün in dieser Stadt, es war schrecklich."

Park in TiranaSein Rezept: Bäume pflanzen, Wildwuchs abreißen, Parks und Gehsteige anlegen. Durch Korruption und Mafia waren alle öffentlichen Räume mit illegalen Bauten gepflastert, Edi Rama ließ sie abreißen. Weil er unbestechlich vorging und keine Ausnahmen macht, gibt es keine Revolte dagegen.

Edi Rama:
"Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff, aber echter Krieg ist woanders. Es ist leider ein kleiner Krieg, um großen Frieden zu schaffen. Wie Picasso sagte: Man muss zerstören, um aufzubauen."

Die Geschäftsleute beteiligen sich an den Kosten für den Gehsteig vor ihrem Laden, sie sorgen für den Erhalt. Das schafft Verantwortungsgefühl und neuen Lokalstolz.

Verkäuferin:
"Es gibt viele Gärten, wo die Kinder spielen können, man kann auf sauberen und schönen Plätzen in Ruhe einen Kaffee trinken. Also hat er gute Arbeit geleistet."

Der Fluß im Zentrum war mit bis zu siebenstöckigen illegalen Häusern zugebaut – gerade wird der Lana-Fluß saniert. 130.000 Tonnen Schutt von abgerissenen Bauten wurden weggeschafft, um den öffentlichen Raum zurückzuerobern. Hundert Bäume sind besser als ein Heer Polizisten, sagt Edi Rama, die Bürger selbst achten auf Sicherheit. Seine politischen Feinde kritisieren jedoch, es sei alles nur Fassade.

Edi Rama:
"Was soll ich dazu sagen? Es ist unglaublich! Dieser Fluß, der die Stadt durchfließt, war die große Bausünde Albaniens. Ein Symbol dafür, wie unsere Demokratie Illegalität und Anarchie förderte, wenn das Fassade ist?"

In den Vierteln hinter den bunten Fassaden ist der Mercedes das meistverbreitete Auto. Oft fallen Strom- und Wasserversorgung aus. Edi Ramas Farben sind noch nicht bis hierher gekommen. Aber sein Hiphop-Song "Tirona", die Hymne des neuen Heimatgefühls, jeder kennt den Text. Arben, Xhulio und der kleine Emiliano rappen ihn uns vor: Tirona, du bist unser Herz, für immer unser Champion.

Manchmal sehnt sich Edi Rama nach seiner Zeit als freier Künstler in Paris, dahin zurückgehen will er nicht.