Albanische Kulturwoche   Düsseldorf 9.-13.03.2004


 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Eda Zari

Von Luigi Lauer (WDR –Funkhaus Europa)
Eda Zari - "Statement"
Eda ZariDie Künstlerin kommt aus Albanien und das ist bereits die erste kleine Sensation. Hörenswerte albanische CDs waren bislang doch eher die Seltenheit. Kein Wunder, wenn man die kriegsgeplagte Geschichte des Volkes berücksichtigt. Dass die albanische Musik reich und voller Schönheit ist, haben wir vielleicht vermutet, Eda Zari tritt nun aber den Beweis an. Mit „Statement“ hat sie ihr Album betitelt und einen treffenderen Titel hätte sie kaum wählen können. Es ist eine einzige Liebeserklärung an die albanische Musik und setzt sich selbstbewusst gleichberechtigt neben die anderen großen Musikkulturen der Weltmusik.
So ist „Statement“ letztlich vielleicht ein Pop-Album geworden und man sucht heimlich, aber vergeblich in den Liner Notes den Namen Peter Gabriel. Für Neugierige (wie mich) und Unwissende (wie mich) werden im Booklet die wichtigsten albanischen Musikstile Iso und Kaba beschrieben und natürlich auf der CD umgesetzt. Eda Zaris „Statement“ ist ein Appetizer. Die Frage „Führen Sie auch albanische CDs?“ könnte bald häufiger gestellt werden.

Von Chris Elstrodt ( Folker Magazine)
Eda Zari Auch musikalisch ist Albanien eine Primzahl, die sich nur durch die Summe ihrer Einflüsse teilen lässt. Türkische und griechische Musiken haben dort ebenso Spuren hinterlassen wie Pop aus Italien oder Mundgeblasenes vom Balkan. Und es gibt die ausgefeilte Kunst des polyphonen Gesangs.
Eda Zari, offizielle Kulturbotschafterin Albaniens, setzt noch einen drauf, indem sie zusätzlich ihre klassisch geschulte Stimme und ihre Vorliebe für modernen Jazz einbringt.
Das kann heiter werden? Genau. Denn gegen die traditionelle Schwermut Albaniens setzt Eda Zari überwiegend auf heiter-beschwingliche Töne, ohne Tiefgang vermissen zu lassen.

Jazzthing -magazine
Die Sängerin Eda Zari will mit "Statement", wie der Titel gut gewählt lautet, Stellung beziehen - die variationsreiche Musik ihres kleinen, zu oft vergessenen Landes Albanien nach außen tragen.
Das Ergebnis ist eine Musik im Spannungsbogen zwischen Tradition und Moderne: auch eine mögliche Definition von sich entwickelnder, lebendiger Weltmusik. Ein gelungenes, ausdrucksstarkes Statement.

Jazzdimension – Berlin
Dergestalt fest verwurzelt gelingt es der Musik, ohne das Gesicht zu verlieren, auch die Musik der Moderne in Form englischsprachiger Texte und verpopter Songs zu assimilieren. Noch immer ist das "Land der Bunker" für uns Westeuropäer eine fremde Welt - gedanklich viel entfernter als Bulgarien und Rumänien. Objektiv betrachtet liegt Albanien jedoch sehr zentral und hat intensivste Musik zu bieten, die der seiner Nachbarn in nichts nachsteht: Weltmusik im besten Sinne. Ihre Kraft bezieht diese zum einen aus Eda Zari´s Gesang, der Melancholie und Tiefe besitzt, zum Anderen aus der Bandkonstellation selbst.

Mehr Info über albanische Musik und die Musik von Eda Zari im Web:
www.eda-zari.com

 

Ismail Kadare

Ismail KadareIsmail Kadare ist der wichtigste, auf jeden Fall aber der mit Abstand bekannteste albanische Autor der Gegenwart. Er hat für sein Schaffen weltweit viel Anerkennung und Ehrungen erfahren. Seine Bücher sind in alle großen und noch eine ganze Reihe kleinerer Sprachen übersetzt, er hat bedeutende internationale Literaturpreise gewonnen und ist Offizier der französischen Ehrenlegion, und wenn jährlich die Vergabe des Literaturnobelpreises ansteht, wird er immer wieder auf der Liste der Kandidaten geführt.

Ismail Kadare wurde am 28. Januar 1936 im südalbanischen Gjirokastra geboren, einer Stadt, die an die Hänge des Traums gebaut zu sein scheint, als Sohn eines bescheidenen Gerichtsboten, doch mit einem gebildeten und wohlhabenden Großvater mütterlicherseits. Über Kadares Kindheit und die Stadt, in der er sie verlebte, möchte ich hier nichts sagen, denn er hat sie selbst beschrieben, in seinem für mich schönsten Roman »Chronik in Stein«.

Als in Albanien das kommunistische Nachkriegsregime errichtet wurde, Ismail Kadarewar Ismail Kadare acht Jahre alt: er ist in dieses Regime, das er erlebt und erlitten und mit dem er sich auseinandergesetzt hat, hineingewachsen. Nach Talentproben schon im Schüleralter studierte er in der albanischen Hauptstadt Tirana und dann für kurze Zeit am Moskauer Gorki-Institut Literaturwissenschaften In den Sechzigerjahren war er vor allem als Lyriker populär, während er heute diesem Genre angesichts eines Überangebots mittelmäßiger Poeten im Osten und dem geringen Interesse an Gedichten im Westen eher skeptisch gegenübersteht. Seinen eigentlichen literarischen Durchbruch hatte Kadare 1964 mit dem berühmt gewordenen und mehrfach (unter anderem mit Michel Piccoli und Marcello Mastroianni) verfilmten Roman »Der General der toten Armee«. Zahlreiche weitere Romane folgten, die schnell auch im Ausland Beachtung fanden. Sein Ruhm im Ausland machte Ismail Kadare für das kommunistische Regime, das seine Reputation für sich nutzen wollte, bis zu einem gewissen Grad unantastbar, obwohl der er in seinem Schaffen zahlreichen Einschränkungen und Zensurmaßnahmen unterworfen war. 1991 suchte und fand Kadare mit seiner Familie aus Protest gegen die Verschleppung der Demokratisierung durch den Übergangsmachthaber Ramiz Alia in Frankreich politisches Asyl. Nach dem demokratischen Umbruch in Albanien kehrte er in seine Heimat zurück, das heißt, er lebt in Tirana, hat aber auch noch eine Wohnung in Paris.

Ismail Kadare ist fraglos ein sehr albanischer Schriftsteller. Das hat ihm bisweilen den Vorwurf des Nationalismus eingebracht. Mag sein, dass bei ihm in den letzten Jahren und Werken der Drang, ein nationaler oder gar der Nationalschriftsteller zu sein, zur Überbetonung des ... sagen wir: patriotischen Elements geführt hat. Mit einem seiner Kritiker setzt sich Kadare in einem langen Interview mit Alain Bosquet, das in Frankreich als Buch erschienen ist, auseinander. Dieser Kritiker hatte geschrieben: »Wenn es um seine Nation geht, ist Kadare so blind wie Homer.« Eines möchte ich hier auf jeden Fall sagen: Die Albaner passen in Kadares merkwürdige Welt. Ein Volk, das zweitausend Jahre lang den Aufstieg und Fall von Reichen, Völkerwanderungen, Kreuzzüge, Einfälle und Eroberungen überstanden hat, sich in Blutrache zerfleischend die Kraft zur Abwehr nach außen aufbrachte, das über zwei Jahrtausende hinweg seine Sprache ohne Schrift am Leben gehalten hat, nur gesprochen, in Liedern, ein solches Volk bietet genug Rätsel, denen es nachzugehen lohnt. Kadare hat dies getan, er hat sich die Mythen und Legenden der Albaner vorgenommen, ihre Geschichte und ihre Geschichten, manchmal mit Pathos, meist aber nüchtern und ohne Beschönigung, und kommt zu interessanten, vor allem lesenswerten Ergebnissen.

Bücherliste:

  • Die Brücke mit den drei Bögen
  • Der zerrissene April
  • Chronik in Stein
  • Der Schandkasten
  • Doruntinas Heimkehr
  • Der Palast der Träume
  • Zwei Erzählungen
  • Drei Trauerlieder für Kosova
  • Plan eines Reiseführers